From the series: SPIONAGE

Die Ersten Spione

Eine Geschichte der antiken Spionage von den Pharaonen bis zu Sun Tzu

About

Die Ersten Spione (Teil der Reihe "SPIONAGE")

Die älteste Waffe der Menschheit ist nicht der Speer und nicht das Schwert — es ist die Information.

Jahrtausende bevor der erste moderne Geheimdienst seine Türen öffnete, schickten die Pharaonen Kundschafter in den Sinai, lasen assyrische Könige abgefangene Briefe ihrer Vasallenstaaten und verfassten chinesische Strategen Handbücher über die Rekrutierung und Führung von Spionen. Spionage kam nicht erst mit dem modernen Staat. Sie war bereits da, als die ersten Staaten entstanden.

Dieses Buch zeichnet die Geschichte der Spionage von der Vorgeschichte bis zum Ende der antiken Welt nach, quer durch mehr als dreißig Zivilisationen auf sechs Kontinenten. Ägypten, Mesopotamien, Persien, Griechenland, Rom, China, Indien, Japan, Byzanz, das Mongolenreich, die islamischen Kalifate, die Azteken, die Inka, die Reiternomaden der eurasischen Steppe, die keltischen und germanischen Stämme — sie alle entwickelten Systeme von Spionen, Informanten und verdeckten Operationen, die meisten davon unabhängig voneinander.

Einige dieser Geschichten sind bekannt. Sun Tzus Kapitel über Spione. Das Trojanische Pferd. Caesars Kundschafter. Aber viele sind es nicht. Die Skythen schickten dem persischen Großkönig Darius eine Botschaft bestehend aus einem Vogel, einer Maus, einem Frosch und fünf Pfeilen — er deutete sie falsch, und es hätte ihn beinahe seine Armee gekostet. Die Inka betrieben ein Staffelläufernetz, das Nachrichten schneller übermitteln konnte als das mongolische Postsystem — ohne ein einziges geschriebenes Wort. Hasan-i Sabbah eroberte eine uneinnehmbare Bergfestung, indem er monatelang ihre Besatzung von innen heraus bekehrte, bis der Gouverneur einfach das Tor öffnete und ging. Dschingis Khan schickte als Händler getarnte Spione jahrelang ins Choresmische Reich, bevor er es angriff — und Historiker debattieren bis heute, ob er den Krieg absichtlich provozierte, nachdem er wusste, dass er ihn gewinnen würde.

Das Muster, das sich zeigt, ist bemerkenswert. Zivilisationen, die keinerlei Kontakt zueinander hatten, gelangten zu denselben Lösungen: dieselben Typen von Agenten, dieselben Methoden der Täuschung, dasselbe Problem, den Menschen zu vertrauen, die man ausschickt, um in eigenem Auftrag zu lügen. Dieses Muster deutet auf etwas Grundlegendes hin — dass Spionage keine kulturelle Erfindung ist, sondern eher eine strukturelle Notwendigkeit jeder Gesellschaft, die komplex genug ist, um Feinde zu haben.