Book #3 from the series: SPIONAGE

Altäre und Spione

Die Weltgeschichte religiöser Spionage und

About

Simon Wiesenthal, der jahrzehntelang mit praktisch jedem bedeutenden Geheimdienst der Welt zu tun hatte, bezeichnete den Nachrichtendienst des Vatikans einmal als den wirkungsvollsten, der ihm je begegnet sei. Die Bemerkung überrascht auf den ersten Blick. Sie sollte es nicht. Die sogenannte Heilige Allianz arbeitet ununterbrochen seit 1566 – älter als CIA, KGB, BND, MI6 und jeder andere heute bestehende nationale Dienst.

Altäre und Spione nimmt diese Beobachtung zum Ausgangspunkt und verfolgt sie über fünftausend Jahre und sechs Kontinente. Entstanden ist eine Darstellung, wie religiöse Institutionen – Tempel, Klöster, Missionen, Beichtstühle, Pilgerwege, Diasporagemeinden – als Informationsnetze funktionierten, häufig lange bevor es moderne Staaten überhaupt gab.

Behandelt werden unter anderem:

Mesopotamische Tempelarchive und das Orakel von Delphi als Informationsdrehscheiben

Kautilyas Arthashastra (um 300 v. Chr.) und die Nutzung religiöser Tarnidentitäten

Das Barid-System der Abbasiden, die Hashashin und Ibn Khalduns Theorie der Information

Die Inquisition als kontinentweiter Informationsapparat – jenseits des populären Klischees

Jesuitenmissionen in China und der Industriespionage-Aspekt bei Pater d'Entrecolles

Walsingham, die Babington-Verschwörung und der katholische Untergrund in England

Die Kakure Kirishitan: 250 Jahre christliches Untergrundnetzwerk in Japan

Die britischen „Pandits" und die Kartierung Tibets unter dem Deckmantel buddhistischer Pilgerschaft

Das Russicum – Pius XI. und die Ausbildung von Priestern für die Sowjetunion

Dietrich Bonhoeffer, Josef Müller und die Rolle des Vatikans im Abwehr-Widerstand

Die Stasi-Abteilung XX/4 und die Anwerbung ostdeutscher Pfarrer

Der KGB und die Russisch-Orthodoxe Kirche: Akten, Decknamen, dokumentierte Operationen

Russisch-orthodoxe Kirchen und die FBI-Warnung von 2023

Das Buch stützt sich auf freigegebene Archive, das Mitrokhin-Archiv, BStU-Akten, Securitate-Unterlagen, vatikanische Quellen und aktuelle internationale Forschung. Die Argumentation ist analytisch, nicht polemisch: Reichweite, Vertrauensnetze, ideologische Bindung und plausible Tarnung – genau das, was wirkungsvolle Nachrichtendienste brauchen – sind seit jeher Merkmale religiöser Organisationen.